Factory Campus Düsseldorf: Das große Coworking

Im Oktober 2016 besuchte ich eine Infoveranstaltung des Factory Campus in Düsseldorf Lierenfenfeld. Die Garage Bilk, als bis dahin bekanntester Coworking Space in Düsseldorf, stand kurz vor der Schließung und die dort ansässigen Meetups und User-Treffen verabschiedeten sich in eine ungewisse Zukunft.

Namensschilder im Eingang
34 Mieter und zahlreiche feste Coworker teilen sich die Räume

Am Ende der Führung standen wir in einer alten Industriehalle – beeindruckend groß, leer und schmutzig. Während im verklinkerten Verwaltungsanbau bereits die ersten Mieter Büros bezogen und Coworkingbereiche, Café und Besprechungszimmer erkennbar wurden, brauchte es noch ziemlich viel Phantasie, die trostlosen Büros hinter der Hallengalerie als farbenfrohe Startup-Offices zu imaginieren.

Inzwischen ist außerhalb der Hallen alles vermietet und der Verwaltungsmief aus dem Bürobau entschwunden. Die Betreiber des Factory Campus, vor allem aber die Mieter und Coworker selbst haben Büros und alles dazwischen belebt und zu einer einladenden Arbeitsumgebung verwandelt. Natürlich ist es leicht, einen angenehmen ersten Eindruck zu bekommen, wenn „Projektbotschafter“ Ralf Neuhäuser im sonnigen Innenhof empfängt, wo gerade ein paar Mieter grillen. Doch auch an normalen Tagen wird hier gebrutzelt: Fast täglich kommen Foodtrucks vorbei um das neue Klientel zu versorgen. Standgebühr oder Umsatzbeteiligung gibt es nicht, deshalb ist das Risiko für neue Caterer übersichtlich.

Coworking in Düsseldorf mit vielen Möglichkeit

Namensschilder im Eingang

Bilderstrecke: Der Factory Campus im Sommer 2017

Wer nach einer mittaglichen Lauf- oder Radrunde wieder frisch werden will, kann in der Wellnesszone im Untergeschoß duschen, während gleich nebenan die Ruhebedürftigen ein Nickerchen machen können (bei großem Erholungsbedarf auch im abgeschlossenen Einzelraum). Das kostet jeweils einen kleinen Obolus, so wie fast jede Leistung separat abgerechnet wird. Besprechungsräume und Schreibtischplätze können dabei auch von Fremden gebucht werden, für Büromieter oder Inhaber eines Coworking-Abos sind diese Angebote rabattiert.

Selbständige, denen ein eigenes Büro noch zu kostspielig ist, können so bereits flexibel einsteigen und an einzelnen Tagen einen Platz in einem der Coworking-Räume buchen. Mit einem Fixdesk kommt dann die nächste Stufe – nun ist der Platz dauerhaft und es gibt neben dem obligatorischen Briefkasten auch eine Firmenanschrift mit Hausadresse.

Fix- und Flex-Desks wurden nicht, wie ursprünglich geplant, getrennt angesiedelt sondern vermischt. Die Zuordnung in verschiedene Räume erfolgt nun über „still“ und „dynamisch“. Schweigsame Programmierer werden so nicht von lebhaften Telefongesprächen oder Teamarbeit gestört.

Große Pläne für große Räume

Wenn dann der Weg vom gelegentlich gecharterten Arbeitsplatz über die feste Adresse schließlich ins eigenen Büro geführt hat, wird auch das irgendwann zu klein werden.

Wer die Firmenentwicklung vom kleinen Selbständigen zum Unternehmen mit wachsendem Team geschafft hat, findet immer noch im Factory Campus eine Bleibe – allerdings muss diese Expansion noch bis 2019 warten, denn dann sollten die dreidimensionalen Architekturentwürfe, die bereits im Foyer auf großen Monitoren zu bestaunen sind, umgesetzt sein.

35 feste Mieter und mehr als 100 Cooworker gehen ihren Tätigkeiten auf 3500 Quadratmetern nach. Und das ist erst der Anfang, die großen Bauabschnitte stehen ja erst bevor.

Wir betreten wieder die große Hallen, die nicht nur dank des üppigen Sonnenschein nun deutlich freundlicher wirken, als ich sie in Erinnerung habe. Die kathedralenhaften Räume sind ausgeräumt und erwarten die bereits im Herbst 2017 beginnenden Bauarbeiten. Ein Teil der Hallen wird dann zunächst abgerissen bzw. auf die Hauptsäulen reduziert. Im immer noch imposanten Rest entstehen dann sehr flexibel kombinierbare Büros über drei Etagen, deren Stirnseite sich zu einem neuen Park öffnen. Diese können in alle Achsen ausgedehnt werden, also zu langen, breiten Räumen mit mehreren Ebenen – ganz nach Bedarf der Mieter. Langfristig werden hier 22.000 Quadratmeter Bürofläche enstehen, das gesamte Areal hat 34.000 Quadratmeter.

Und auch wenn Stromangebote für Elektroautos und E-Bikes sowie das im Haus angesiedelte Mobility-Meetup einen anderen Eindruck erwecken: Es gibt später auch ausreichend Parkplätze für die konventionellen Automobile (nicht zuletzt, weil das bei Projekten dieser Größenordnung vorgeschrieben ist).

Die in Kürze abgerissenen Hallen machen Platz für Neubauten. Hier werden die „Ankermieter“ Platz finden, größere Unternehmen mit langjährigen Mietverträgen, die für die Basisfinanzierung des Projekts unerlässlich sind.

Wer bereits in einem Coworkingbüro gearbeitet hat, wird wissen, welche Ideen aus dem Zusammentreffen ganz unterschiedlicher Gewerke und Dienstleistungen entstehen können – umso mehr Möglichkeiten bietet eine Gemeinschaft in dieser neuen Größenordnung. So entstand aus dem AXA-Versicherungsbüro mit Dirk Lui und Andi Schmitz, die bereits im Coworking zusammengearbeitet hatten, die Idee zu einem Startupcenter. Hier werden Versicherungen für neue Unternehmen, deren Leistungen noch in keinen bestehenden Versicherungsrahmen passen, konzipiert. Und gemeinsam entwickelte man die „Startmannschaft„: Deren Mitglieder – Anbieter aus den üblichen Dienstleistungen, die jeder Selbständige braucht, wie Anwalt, Marketing oder Steuerberatung – stellen sich nun in einer Art „Paninialbum“ den Neueinsteigern vor.

Doch das ist nur eines der ersten Beispiele für fruchtbare Zusammenarbeit, denen sicher noch einige folgen werden, wenn Gewerbetreibende, Unternehmerinnen, Dienstleister und Kreative in allen Räumen aktiv sind und sich im Gastronomiebereich der großen Halle oder dem Biergarten zwischen den Gebäuden zusammenfinden.

Der Einstieg ins Coworking ist dabei überschaubar: Bereits für etwa 25,- € monatlich können Einsteiger eine Mitgliedschaft erwerben, mit der sie zwei Tage im Coworking arbeiten und unter anderem Rabatte für andere Leistungen (z.B. Besprechungsräume) nutzen können. Täglich, wenn auch an flexible wechselnden Plätzen, kann man sich hier für 139,- € einnisten. Wer dann noch 100 € drauflegt hat auch einen festen Arbeitsplatz.

Das wichtigste bei allen Angeboten: Durch monatliche Kündbarkeit bleibt das Risiko für Gründer gering – gerade wer mit einer neuen Idee durchstarten will, möchte sich nicht auf lange Mietverträge einlassen.

Für viele Gründer ist auch eine feste, vom Wohnsitz abweichende Adresse interessant – die Konditionen hierfür erfahrt Ihr, wie auch die Preise für komplette Büros und Anbmietung von Konferenzräumen direkt beim Factory Campus.