Künstliche Intelligenz am Morgen

Kreativität am Morgen ist so eine Sache. Bei den inzwischen in 173 Städten weltweit veranstalteten CreativeMornings kann die eigene Phantasie zum Glück langsam bei einem ersten Kaffee und dem Smalltalk mit anderen Teilnehmern beginnen, bevor sie dann durch einen hoffentlich interessanten Vortrag angeregt wird.

Der August-Morning in Düsseldorf bot zum Oberthema „Genius“ mit einem Einsteiger-Talk zur Künstlichen Intelligenz.

Was bereits in den 1950ern mit den ersten künstlichen neuronalen Netzen begann und in den 1970ern durch die aufkommenden Computer allmählich vorstellbar wurde, erlangte erst in den letzten zwei Jahrzehnten eine wirkliche Bedeutung: Erst heute haben wir so viele Daten, dass wir die Systeme überhaupt ausreichend füttern können, um sie lernen zu lassen.

Die Rechner sind schnell genug, haben viel größere Speicherkapazitäten und eine enorm gewachsene Vernetzung.

Florian Breiter erklärte leicht verständlich und ohne technischen Ballast (die wenigsten Besucher stammten vermutlich aus der IT-Branche) die Grundidee der Künstlichen Intelligenz und führte die Zuhörer rasch an die Idee der „Singularität“ heran.

Singularität: Wenn der Computer schlauer wird als der Mensch

Damit wird die Möglichkeit bezeichnet, dass die KI irgendwann den menschlichen Geist mit all seinem Wissen und logischen Fähigkeiten überholt und sich dann – enorm beschleunigt – selbst weiter entwickelt. Ray Kurzweil, „Director of Engineering“ bei Google, Autor und Futurist, sieht ab etwa 2045 diese Singularität als realistisch an.

Die vielfältigen Möglichkeiten und Gefahren einer solchen Entwicklung bestimmten den weiteren Vortrag und erwartungsgemäß auch die anschließende Diskussion: Natürlich hängt die Entwicklung der KI auch davon ab, welche Regeln ihr vorgegeben werden – was sie daraus macht ist dennoch völlig unerwartbar. Breiter räumte aber gleich mit der naiven Vorstellung auf, man könne ja den Stecker ziehen, wenn die Sache aus dem Ruder läuft. Denn eine„mächtige“ KI wird durch Vernetzung und entsprechende Abschottungstechniken genau das zu verhindern wissen.

Es gibt kein Zurück

Am beunruhigensten aber war seine Erkenntnis, dass die Auseinandersetzung (oder gar Bereitschaft zu Regelungen und Vorkehrungen) in Politik und entsprechenden Gremien denkbar gering ist. Denn welche Bedeutung die Menschen mit ihrer Ausrichtung auf Erhalt und Vermehrung für so ein entwachsenes Maschinenhirn haben könnte, haben zahlreiche Science Fiction bereits ausgemalt. Und auch deren Schöpfer hatten nur ein begrenztes menschliches Hirn.

 

Sprecher Florian Breiter ist Geschäftsführer der wysiwyg* software design GmbH und befasst sich bereits seit den 1990er Jahren mit lernenden Systemen. Neben den Basics der KI befasst er sich vor allem mit den sozialen, inhaltlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz.

Bei den CreativeMornings wird ein monatliches Rahmenthema vorgegeben, dass dann von den lokalen Veranstaltern mit interessanten Vortragenden umgesetzt wird.