Nerds & Newbies

Coding Werkstatt @ Invision

Vermutlich war ich aufgeregter als mein elfjähriger Sohn. Ich hatte ihn bei der Codingschule zur Coding Werkstatt angemeldet, ohne ihn zu fragen. Der Workshop fand im Düsseldorfer Medienhafen bei Invision statt, die Sponsor der Codingschule sind. Ich hoffte, dass mich bei negativem Ausgang die coole Location und ein in Aussicht gestellter anschließender Besuch im nahe gelegenen Kino retten würde.

Überfall am Eingang

Dem Nieselregen des Herbsttages entrinnend, betraten wir das Invision-Gebäude und wurden noch auf dem ersten Meter von einem Mitschüler meines Sohns abgefangen. Dieser war offenbar nicht nur Lichtjahre weiter als wir, was Programmieren angeht, sondern auch völlig in seinem Element. Nach einer Minute mit Schilderungen, was bei der letzten Coding Werkstatt alles passiert war und was uns heute erwarten würde und welche Programmiersprache und welche Hardware er gerade nutze, gespickt mit Fachbegriffen, die weder mein Sohn noch ich dechiffrieren konnten, holte er zum ersten Mal Luft. Wir nutzten die Pause, um unsere Jacken an die Garderobenstange zu hängen.

Warm-up mit Computer-Geschichte

Nach und nach füllte sich der Eingangsbereich mit Jungs (sehr viele) und Mädels (sehr wenige) sowie Eltern (Männer und Frauen etwa pari). Alle da? Dann ab nach oben. Im ersten Stock im Essbereich der Invision-Kantine waren bereits Plätze mit Rechnern aufgebaut. Zum Warmmachen gab es eine Einführung in die Geschichte des Computers: Mechanische Rechenmaschine, erster Computer, Rechenleistung damals vs. heute – Martin und Viktoriya, Informatikstudenten und Lehrer der Codingschule, wechselten kurzweilig zwischen Vortrag und Fragen an die Teilnehmenden ab und wurden prompt von ihren Schülern hart rangenommen. Mit wenigen Klicks und Tastendrücken waren die Neun- bis Zwölfjährigen im Internet auf Wikipedia fündig geworden und im Begriff, selbst die Moderation zu übernehmen. Mit angenehmem Fingespitzengefühl zog Martin das Heft des Handelns zurück zu den Lehrern, ohne die Kinder in die Schranken zu weisen.

Endlich coden

Nach knapp einer Stunde des Ankommens und gegenseitigen Beschnupperns kamen die ersten Aufgaben auf den Tisch. Programmiert wird bei der Codingschule mit dem Raspberry Pi. Die Plätze waren mit dem grellgrünen Pi-Top CEED ausgestattet. Betriebssystem war Linux, die Programmiersprache Scratch. Nachdem die grundlegende Logik von Scratch vermittelt war, bekamen die Zweierteams erste Aufgaben: eine Figur auswählen, in Bewegung setzen, vom Rand abprallen lassen, auf Tastendruck die Richtung wechseln. Die Kids waren konzentriert bei der Sache, während sich die Eltern mehrheitlich zu einem Kaffee in die Küche verzogen hatten. Klasse fand ich, dass jene der Kinder, die schon Programmiererfahrung hatten, den „Newbies“ genügend Zeit und Hilfen gewährten, damit alle zusammen die Lernschritte vollziehen konnten.

Coden vs. Konsumieren

Zum Schluss gab es noch eine kurze Hardware-Übung, das Anschließen von Tastern, sodass die Programmierpartner ihre Figuren gemeinsam über den Bildschirm bewegen konnten. Für mich war es eine runde Sache. Die Lehrer der Codingschule hatten nach meiner Wahrnehmung einen guten Draht zu den Kindern und auch zu den Eltern. Ich, der Papa, würde seinen Sohn beim nächsten Mal guten Gewissens wieder anmelden, der Sohn war unmittelbar nach dem Workshop eher der Meinung, es sei ok gewesen, das eine Mal aber auch genug. Der Entertainment-Faktor von Minecraft, Youtube oder Snapchat wird mit Programmieren offenbar nicht annähernd erreicht. Bleibt zu wünschen, dass durch die Initiative der Codingschule und ihrer Sponsoren nicht nur die Freaks zu Programmierern werden, sondern auch der eine oder andere Durchschnitts-Jugendliche hin und wieder von seinem Smartphone aufsieht und etwas selbst programmiert. Vielleicht müssen wir Eltern wieder stärker lenkend eingreifen, Erziehung fällt eben nicht vom Himmel.

Im Kino kam übrigens nichts Kindgerechtes…

 

 

Werbung


Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen